Wie schreibe ich eine Trauerrede? Tipps für persönliche, ehrliche Worte

Es ist schwer, die richtigen Worte zu finden, wenn ein lieber Mensch gestorben ist. Das gilt ja schon, wenn ich den Angehörigen, Freunden mein Mitgefühl ausdrücken will oder sie das erste Mal wieder treffe – was sage ich da bloß? Ganz besonders aber, wenn es darum geht, die richtigen Worte bei der Beerdigung oder Trauerfeier zu finden: Wie schreibe ich eine Trauerrede? Wie finde ich passende und angemessene Worte für den Abschied? Wie baue ich eine Trauerrede auf? Worauf muss ich achten? Wie gehe ich mit den Emotionen an so einem Tag um – mit meinen eigenen und denen der Zuhörer? Wie hält man eine Trauerrede?  In diesem Artikel unseres Blogs haben wir einige Tipps zusammengestellt, die dabei helfen, eine Trauerrede zu schreiben und zu halten. Eine Trauerrede, die authentisch klingt, den Charakter der verstorbenen Person ausdrückt und gleichzeitig Raum für Trauer, fürs Erinnern und Abschied nehmen lässt.

 

1. Wie schreibe ich eine Trauerrede? Zuerst: Den Rahmen klären

Bevor du in das Formulieren einsteigst, hilft es sicher, erstmal das Formale und die vorgegebenen Rahmenbedingungen zu kennen: Neben Zeit und Ort solltest du wissen, wie viel Zeit für die Rede geplant ist (an manchen Orten gibt es genaue Vorgaben, wie lange die Trauerhalle zur Verfügung steht; oder falls weitere Personen sprechen, sind Musikstücke und/oder weitere Elemente geplant), ob du Equipment wie Mikro, Lautsprecherbox oder Rednerpult mitbringen sollst und wer die Zuhörerinnen und Zuhörer sein werden: Ist es eine kleine Trauerfeier nur im engsten Familienkreis? Oder sind neben Angehörigen und Freunden auch Nachbarn, Kollegen oder Vereinsvertreter vor Ort? Das ist hilfreich zu wissen, um einzuschätzen, wie persönlich der Ton sein kann. Und zudem: Gibt es kulturelle oder religiöse Rahmenbedingungen, die zu beachten sind oder die rund um die Trauerrede eine Rolle spielen?

 

2. Was ist bei einer Trauerrede wichtig? Was ist dir wichtig?

Bevor du mit dem Schreiben der Trauerrede beginnst, überlege dir am besten zuerst, was dir wichtig ist. Was willst du auf jeden Fall über den Verstorbenen sagen? Was willst du hervorheben? Was fällt dir direkt ein? Vielleicht kannst du so etwas wie drei Kernbotschaften oder besondere Eigenschaften notieren, die du auf jeden Fall unterbringen willst. Wenn du den/die Verstorbene/n nicht so eng kanntest, dann schaue, welches die wichtigsten, hervorzuhebenden Infos der Angehörigen waren. Dann kannst du auch dein Ziel der Rede definieren: Willst du erinnern, trösten oder – das bietet sich vor allem an – eine Mischung aus beidem? Was möchtest du in deiner Rede inhaltlich in den Fokus stellen? Was könnte Trost spenden? Was lässt sich gut aufgreifen?

 

3. Wie baue ich eine Trauerrede auf? Die Struktur einer Trauerrede

„Wenn ich nur einen Anfang finden könnte“…vielleicht hast du schon viele Ideen und Inhalte, aber weißt nicht recht: Wie schreibe ich eine Trauerrede? Wie baue ich sie auf? Hier kommt eine mögliche Struktur einer Trauerrede:

  • Einleitung: Versuche den Beginn der Rede herzlich und authentisch zu gestalten. Vielleicht gibt es eine Anekdote oder ein Zitat, das sich eignet? Begrüße die Trauergäste und gehe darauf ein, worum es dir heute geht, warum du hier sprichst, was der Mensch dir bedeutet hat.
  • Hauptteil: Hier geht es um die Beschreibung der/des Verstorbenen: Du kannst wichtige Stationen des Lebenswegs skizzieren, auf Interessen und Leidenschaften eingehen, den Charakter und Werte hervorheben. Auch sind hier persönliche Erinnerungen gut platziert, Gedanken, die bleiben. Auch der Blick auf das Umfeld des Verstorbenen und sein/ihr Einfluss auf andere können hier eingebunden werden.
  • Schluss: Hier kannst du den/die Verstorbene/n nochmal in seinen besonderen Eigenschaften würdigen und so einen hoffnungsvollen, Trost spendenden Abschluss formulieren. Mit diesen letzten Worten gehen die Leute aus der Trauerfeier, so dass es sich anbietet, den Blick nach vorn zu richten, ihnen einen aufbauenden Gedanken mitzugeben.

 

4. Inhaltliche Schwerpunkte: Was sage ich in einer Trauerrede?

Nun geht es an die konkreten Inhalte: Was sage ich in einer Trauerrede? Welche Punkte greife ich heraus? Folgende Punkte können dir bei der inhaltlichen Gestaltung helfen:

  • Was war der Person im Leben wichtig? Familie? Freunde? Interessen? Werte?
  • Alltagssituationen und Erinnerungen, die bleiben: typische Situationen und Momente, das Lieblingsgericht, Hobbys, etwas das „typisch“ oder „immer so“ war – kleine Details, die die Trauerrede sehr persönlich und nah machen
  • Die Persönlichkeit: Welche Eigenschaften waren unverkennbar? Wie war er/sie? Was könnte man sich von ihr/ihm abschauen?
  • Konflikte oder schwierige Themen: Das ist ein wichtiges Thema – schließlich soll die Rede authentisch sein, ein passendes Bild des/der Verstorbenen zeichnen. Aber: Das Grab ist kein Ort der Abrechnung. Also sollten wir uns die Frage stellen: Braucht es dieses Detail, diese Geschichte, diese Eigenschaft? Wenn es angemessen bzw. für ein realistisches Bild nötig ist, dann sollten diese Dinge behutsam eingearbeitet werden. Bestimmt lässt sich eine neutrale oder weniger wertende Formulierung finden. Bedenke dabei auch immer die Grenzen anderer.
  • Botschaft oder Abschlussgedanke: Was bleibt von der/dem Verstorbenen? Was hat er/sie uns (unbewusst) durch seine Art, sein Leben, mitgegeben?

 

5. Musik, Kerzen, Elemente: Was gehört noch in eine Trauerrede?

Die Rede ist das zentrale Element der Trauerfeier. Rundherum gibt es einige Möglichkeiten, die Trauerfeier zu gestalten. Musik ist eine wunderbare Ergänzung dazu. Welche Musikstücke, wie viele, an welchen Stellen der Trauerfeier – zu Beginn, währenddessen, am Ende – all das lässt sich individuell und passend auswählen. Oftmals bietet es sich an, die Stücke in der Rede aufzugreifen. Manchmal gibt es eine passende Zeile, die sich als Übergang herausgreifen lässt oder die als Bild zu einer Eigenschaft, einem Hobby oder ähnlichem passt. Manchmal werden weitere Elemente gewünscht, um die Trauergäste einzubeziehen, um ein Ritual für die Erinnerung zu schaffen, gemeinsam Kerzen entzündet und vieles weitere. Hier sind den Möglichkeiten zunächst keine Grenzen gesetzt – schaut bei der Planung, was zum/zur Verstorbenen passt, was zur Umgebung/den Rahmenbedingungen passt und welche Wünsche es gibt. Wichtig ist aber: Alles kann, nichts muss. Auch eine reine Rede ist für eine Trauerfeier angemessen und tragend.

 

6. Worauf muss ich bei einer Trauerrede achten? Stil, Wortwahl etc.

Beim Schreiben der Trauerrede solltest du in erster Linie auf deine persönliche Art zu schreiben bzw. zu sprechen achten: Hier gilt Authentizität vor Perfektion! Wenn du jemand bist, der in längeren Sätzen spricht – dann tu es, solange du es gut vortragen kannst. Bist du ansonsten eher in einfachen Formulierungen, kurzen Aussagen zu hören – dann bleib dir treu. Darüber hinaus gibt es hier einen kurzen Leitfaden, worauf du bei einer Trauerrede achten kannst:

  • Eine klare, bildhafte Sprache nimmt das Publikum mit, erleichtert es, sich konkrete Bilder vorzustellen
  • Vermeide Floskeln und allgemeine Worte. Persönlich formulierte Sätze wie „Sie hat uns gelehrt“ oder „Vielleicht können wir uns von ihm genau das abschauen“ wirken stärker; bleibe ehrlich, ohne Übertreibungen oder großformatige Ausschmückungen
  • Humor ist erlaubt. Kleine Anekdoten sind wertvoll, um sich zu erinnern, können kraftvoll und tröstend sein. Achte auf die Balance in der Rede und einen respektvollen Ton.
  • Versuche die Sätze aktiv zu formulieren, sprich, wann immer es sich anbietet, im Präsens – das nimmt die Zuhörerinnen und Zuhörer direkter mit
  • Baue, wenn es passend ist, auch direkte Anreden an die Familie, die Trauergäste, ein – das sorgt für Aufmerksamkeit und kann auch der Struktur helfen (z.B. wenn du etwas Trostspendendes mitgeben möchtest)
  • Sensible Themen solltest du behutsam ansprechen: Trauer, Verlust, Schmerz – achte auf den richtigen Ton, versuche wertschätzend und nicht wertend zu sein.

 

7. Wie schreibe ich eine Trauerrede? Fünf Praktische Tipps 

  • Ordnen und Sortieren: Notiere deine Stichworte und Informationen, markiere dir Zitate, Musikideen. Danach sortiere dir alles in eine erste grobe Struktur.
  • Nutze eine Erzählstruktur und ordne alles daran an: Einleitung (Einstieg, Begrüßung), Hauptteil (Lebensgeschichte, Interessen, Erinnerungen), Schluss (Würdigung, Ausblick).
  • Praxischeck: Lies deinen Text laut – klingt er natürlich? Kommt zum Ausdruck, was du dir vorgestellt hast?
  • Kürzen statt hetzen: Sprich langsam und baue Pausen ein. Die Rede kommt dir zu lang vor? Dann ist oftmals weniger mehr – halte die Rede kompakt, schaue, ob du Dopplungen kürzen kannst oder an manchen Stellen Dinge für sich stehen lassen kannst.
  • Feedback holen: Frag eine vertraute Person, ob du ihr den Text vortragen kannst. Dann bitte um ehrliches Feedback zum Inhalt und ob der Text wirkt.

 

8. „Übung macht den Meister“

Die Redensart kennt wohl jeder – doch es ist was Wahres dran: Bereite dich auf die Rede vor! Lies dir die Rede laut (!) vor. Dann merkst du, ob die Sätze und Formulierungen dir gut über die Lippen kommen oder ob du noch Sätze vereinfachen, kürzen kannst. Übe Betonungen und baue dabei auch Pausen ein. Wir neigen dazu, gerade wenn wir aufgeregt sind, schneller zu sprechen. Konzentriere dich darauf, langsam zu reden, ruhig, aber mit passenden Betonungen zu sprechen. Und wenn du dies vorher einige Male geprobt hast, fühlst du dich sicherer, wenn du die Rede schließlich vorträgst. Hilfreich kann auch sein, die Rede bereits vorher einem dir vertrauten Menschen vorzutragen und so Feedback einzuholen. Beim Üben kannst du auch sicher nochmal messen, ob der zeitliche Rahmen passt. Ob du die Rede in Stichworten auf Karteikarten oder als fertigen Text in einer Rednermappe vorbereitest, kannst du nach deinen Vorlieben entscheiden. Vielleicht empfiehlt es sich, wenn die Nervosität groß sein könnte oder du (noch) nicht so geübt im freien Reden bist, die ausformulierte Rede in einem gut lesbaren Format (nicht zu klein gedruckt) zu wählen. Falls du technisches Equipment benutzen willst, gilt auch hier: Probiere vorher einmal alles aus, damit du die Sicherheit hast, das alles funktioniert.

 

9. Emotionen sind okay!

Ein Todesfall ist immer traurig – und gerade bei der Beerdigung oder Trauerfeier kommen viele Gefühle hervor. Bei den Zuhörerinnen und Zuhörern genauso wie beim Redner. Lass‘ die Emotionen zu: Es ist okay, traurig zu sein oder zu weinen. Genauso ist es okay, nervös zu sein. Das macht dich und deine Rede authentisch. Falls du Sorge hast, ob du es schaffst, die Rede zu halten: Eine gute Vorbereitung schafft Sicherheit. Einige tiefe Atemzüge können helfen, sich wieder etwas zu fassen, bevor du sprichst. Vielleicht ist es auch hilfreich für dich, wenn du dir vor der Rede nochmal bewusst machst, was deine Rolle in dem Moment ist: Du bist der Redner/die Rednerin und ermöglichst mit deinen Worten, an den Verstorbenen zu erinnern, Abschied zu nehmen.

 

10. Trauerrednerin bzw. Trauerredner werden

Die Frage „Wie schreibe ich eine Trauerrede?“ hat dich hierher geführt: Mit diesen Tipps fällt dir das Schreiben und Halten der Trauerrede vielleicht etwas leichter. Wenn du deine Rede gehalten hast – und damit der Familie und den Freunden bei der Trauerfeier das Erinnern, das Innehalten und das Trauern ermöglicht hast – hast du vielleicht das Gefühl, etwas Gutes, etwas Wertvolles geleistet zu haben. Hast du auch! Mit einer persönlichen, authentischen und passenden Trauerrede leistest du einen großen Beitrag, damit Menschen Abschied nehmen können, trauern können. Wenn dir diese Aufgabe gefallen hat (und ja, auch im Zusammenhang mit Tod und Trauer ist es legitim zu sagen, dass dir etwas Freude bereitet hat oder dass etwas gut war – beispielsweise die Rede), dann könnte der Beruf des Trauerredners / der Trauerrednerin etwas für dich sein. Ich (Ellen, Trauerrednerin in Bocholt und Umgebung) habe die Ausbildung hier bei „AUF DAS LEBEN“ gemacht – und kann sie nur von Herzen empfehlen. Hier bei „AUF DAS LEBEN“ gibt es nicht nur die Möglichkeit, sich zum Trauerredner ausbilden zu lassen, sondern auch in Workshops einzelne Themen zu vertiefen und sich weiterzubilden. Mehr dazu erfährst du auf der Seite TRAUERREDNER-AUSBILDUNG. Hier auf der Seite unter dem Menüpunkt „INFORMIEREN“ gibt es auch zusätzlich viele weitere Informationen zu Themen rund um einen Trauerfall.

 

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