Andere Länder, andere (Trauer-)Sitten

Bunte Dekoration zum "Día de los muertos" -Trauerkultur in anderen Ländern

Überall auf der Welt trauern Menschen nach einem Verlust – doch der Umgang mit einem Abschied ist in den Kulturen sehr unterschiedlich. Während hier bei uns in Deutschland meist ruhigere Trauerzeremonien stattfinden, werden Verstorbene in anderen Ländern mit Musik, Farben oder großen Festen geehrt. In diesem Blog-Beitrag schauen wir auf die Trauerkultur weltweit und zeigen, wie vielfältig Trauer in anderen Kulturen und damit der Umgang mit Abschied, Erinnerung und Gedenken ist.

Der Tod eines geliebten Menschen gehört zu den einschneidendsten Erfahrungen im Leben. Und ganz gleich wo auf der Welt: Trauer ist dabei ein Gefühl, das Menschen überall verbindet. Der Umgang mit Tod, Abschied und der Erinnerung unterscheidet sich jedoch oftmals von Kultur zu Kultur erheblich. Trotz aller Unterschiede gibt es doch vielfach feste Rituale und Traditionen, die den Hinterbliebenen dabei helfen, den Verlust zu verarbeiten und das Andenken an den Menschen zu bewahren. Wie vielfältig die internationale Trauerkultur ist, zeigt beispielhaft der Blick in verschiedene Länder.

Deutschland: Leise Töne und Tradition

In Deutschland sind Beerdigungen und Trauerfeiern häufig von Ruhe und Besinnlichkeit geprägt: Viele Trauerfeiern finden in Kirchen, Kapellen und/oder auf Friedhöfen statt. Auch, wenn es inzwischen nicht mehr immer gewünscht ist: Schwarz oder zumindest dunkel ist die Kleidung der Wahl – denn das gilt nach wie vor oftmals als Zeichen der Trauer und des Respekts. Während der Zeremonie wird im kirchlichen Rahmen für den Verstorbenen gebetet, dort, aber vor allem in freien Trauerfeiern werden persönliche Worte gesprochen, Musik gespielt, Blumen oder Kränze niedergelegt – alles zumeist in einem eher leisen, andächtigen Rahmen.

Nach der Beerdigung kommen Familie und Freunde häufig zu einem gemeinsamen Getränk, Essen oder Kaffeetrinken zusammen. Dieser sogenannte „Leichenschmaus“ bietet Raum für Gespräche und Erinnerungen. Im Laufe der letzten Jahre haben sich jedoch auch in Deutschland viele dieser Traditionen verändert: Immer mehr Menschen wünschen sich individuelle Abschiede – etwa mit Lieblingsmusik, persönlichen Dekorationen oder Elementen sowie alternativen Bestattungsformen wie Natur- oder Waldbestattungen. Für persönliche und passende Trauerfeiern finden sich in der Nähe viele Redner aus dem „AUF DAS LEBEN“-Team (Zu den Trauerrednerinnen und -rednern).

Der Ort des Erinnerns ist vielfach der Friedhof, ein Trostwald oder ähnliches. Dort werden – vor allem zu den Geburts- oder Todestagen – Kerzen entzündet und Blumen aufgestellt.

Mexiko: Wo der Tod gefeiert wird

Völlig anders ist zum Beispiel in Mexiko der Umgang mit dem Thema Tod: Jedes Jahr Ende Oktober/Anfang November wird dort der berühmte „Día de los Muertos“, also der „Tag der Toten“, zelebriert. Und zelebriert, also gefeiert, ist hier das richtige Wort. Denn anders als der Name vermuten lässt, handelt es sich dabei nicht um einen traurigen oder stillen Gedenktag ähnlich unserem Totensonntag oder Allerheiligen, sondern um ein fröhliches, farbenfrohes „Fest zum Erinnern“.

Der „Día de los Muertos“ ist einer der wichtigsten Feiertage des Landes, ein richtiges Volksfest. Die Vorstellung dahinter: An diesen Tagen kehren die Seelen der Verstorbenen zurück, um ihre Familien zu besuchen. Die Menschen bauen zu Hause kleine Altäre auf, die mit Fotos, Blumen, Kerzen, persönlichen Erinnerungsstücken oder auch den Lieblingsspeisen der Verstorbenen bestückt werden. Auf den Straßen, die ebenfalls bunt geschmückt sind mit Blumen, Lichtern, Totenköpfen und anderen Symbolen, herrscht buntes Treiben. Viele Menschen besuchen die Gräber ihrer Angehörigen, essen gemeinsam, musizieren, tanzen.

Der mexikanische Umgang mit dem Tod mag auf uns zunächst ungewöhnlich wirken – so fröhlich, bunt und laut mit dem Thema Tod und Trauer umzugehen. Doch genau darin liegt für viele Menschen der Trost: Die Erinnerung an die lieben Menschen soll lebendig sein.

Ghana: Persönlicher Sarg als letzte Botschaft

Im westafrikanischen Ghana haben Beerdigungen ebenfalls eine große gesellschaftliche Bedeutung. Besonders bekannt ist das Land für die kunstvolle Gestaltung der Särge, die sogenannten Fantasiesärge („Fantasy Coffins“). Diese Tradition kam erst Mitte des 20. Jahrhunderts auf, aber verbreitete sich schnell. Die individuell und aufwändig gefertigten Särge spiegeln den Beruf, die Leidenschaft oder den Charakter der verstorbenen Person wider (dazu gibt es auch eine Ausstellung). So kann ein Pilot beispielsweise in einem Flugzeug bestattet werden, ein Musiker in einem überdimensionalen Instrument, ein Fischer in einem Boot oder einem riesigen Fisch. Die Särge werden oft in monatelanger Handarbeit angefertigt und sind ein Ausdruck von besonderer Wertschätzung, sie erzählen vom Leben oder den Träumen des Verstorbenen und haben immer eine Botschaft.

Beerdigungen in Ghana dauern häufig mehrere Tage und werden farbenfroh, mit Musik, Tanz, gemeinsamem Essen und vielen Gästen gefeiert.

Japan: Feste Abläufe zur Ahnenverehrung

Auch in Japan haben feste Rituale im Umgang mit Trauer einen hohen Stellenwert. Die meisten Beerdigungen dort sind buddhistisch geprägt. Es gibt einen genau vorgegebenen Ablauf mit mehreren Phasen. Nach dem Tod wird der bzw. die Verstorbene zunächst zu Hause in einem weißen Totengewand aufgebahrt, dort versammelt sich die Familie zu einer Totenwache. Auch sechs Münzen gehören zur Ausstattung des bzw. der Toten – als Fährgeld über den Fluss der Unterwelt.

Am Folgetag findet die Trauerfeier statt, Angehörige und Freunde beten gemeinsam, bringen Weihrauch oder duftende Holzspäne mit, außerdem Geldspenden und verabschieden sich in stiller Atmosphäre. In der Regel wird der bzw. die Verstorbene danach eingeäschert. Anschließend sammeln Angehörige die Knochenreste mit speziellen langen Stäbchen ein und legen sie in die Urne – ein Ritual, das in Japan eine wichtige symbolische Bedeutung hat. Die Urne wird zunächst mit nach Hause genommen und dann im Familiengrab beigesetzt.

Auch nach der Beerdigung bleibt das Gedenken an den Verstorbenen oder die Verstorbene im Mittelpunkt. Die Trauerzeit beträgt nach buddhistischem Brauch sieben Wochen, 49 Tage. Viele Familien besitzen einen kleinen Hausaltar, an dem regelmäßig der Ahnen gedacht wird. An bestimmten Feiertagen wird an die verstorbenen Familienmitglieder zudem besonders erinnert.

Indonesien: Langsamer Übergang in Toraja

Die Trauerrituale in Indonesien variieren sehr stark, abhängig von Region und Religion: Besonders außergewöhnliche Trauerrituale finden sich bei den Toraja auf der indonesischen Insel Sulawesi. Dort gilt der Tod keineswegs als plötzliches Ende, sondern wird als langsamer Übergang in eine andere Welt gestaltet.

Verstorbene werden einbalsamiert, aufgebahrt und bleiben teilweise über Wochen oder sogar Monate im Haus der Familie, bis genügend Geld für eine große Beerdigungszeremonie zusammengekommen ist. Während dieser teilweise sehr langen Zeit werden die Toten weiterhin symbolisch in den Alltag einbezogen und in etwa wie kranke Angehörige betrachtet.

Die eigentliche Beerdigung ist dann in der Regel ein großes gesellschaftliches Ereignis mit vielen Gästen, traditionellen Tänzen und Opfergaben. Die Zeremonie ist der endgültige Aufbruch der Toten zu ihrer langen, schwierigen Reise ins Reich der Totengeister. Und dann sind teilweise sogar auch Touristen dabei, um den Bestattungskult zu erleben. Anschließend werden die Verstorbenen in Felsengräbern oder speziellen Höhlen beigesetzt – üblicherweise nicht in die Erde.

Doch damit ist der Trauerkult nicht beendet: Im Rahmen des traditionellen „Ma’Nene“-Festes, das alle meist im Abstand von mehreren Jahren stattfindet, in manchen Regionen jährlich, werden die Mumien dann wieder aus ihren Gräbern geholt. Familien reinigen die mumifizierten Körper, kleiden sie neu ein und oftmals gibt es eine Parade durch das Dorf. Für die Angehörigen ist das ein freudiger Anlass, Ausdruck von Respekt und familiärer Verbundenheit.

Irland: Gemeinsam trauern beim „Wake“

Auch in Europa gibt es viele verschiedene Umgangsformen mit Trauer. Ein Beispiel: In Irland hat der sogenannte „Wake“ eine lange Tradition. Dabei wird der bzw. die Verstorbene vor der Beerdigung im offenen Sarg zu Hause aufgebahrt, damit Familie, Freunde und Nachbarn persönlich Abschied nehmen können. Der „Wake“ ist jedoch nicht ausschließlich traurig. Oft wird gemeinsam gegessen, erzählt und sogar gelacht, mit Tee, ein paar Pints oder einem Whiskey angestoßen. Erinnerungen an den Verstorbenen stehen im Mittelpunkt. Diese offene Atmosphäre und Gemeinschaft sollen helfen, die Trauer gemeinsam zu bewältigen und sich gegenseitig Trost zu spenden. Auch Musik spielt eine große Rolle, traditionelle irische Lieder gehören meist auch dazu.

Diese Form des Abschieds zeigt, dass Trauer und Lachen sich keinesfalls ausschließen müssen. Viele Menschen empfinden es als hilfreich, schöne Erinnerungen bewusst miteinander zu teilen, um diese weiter zu tragen.

Indien: Der Kreislauf des Lebens

In weiten Teilen Indiens sind hinduistische Bestattungsrituale verbreitet: Der Tod wird dort als Übergang in ein neues Leben verstanden. Deshalb spielt die Einäscherung eine zentrale Rolle – traditionell finden die Verbrennungen unter freiem Himmel statt, häufig an den Ufern von Flüssen, etwa dem heiligen Fluss Ganges. Das beruht auf dem Glauben, dass das Feuer reinigend ist und so die Seele vom physischen Körper gelöst wird und damit der Übergang ins nächste Leben oder ins Jenseits erleichtert wird.

Angehörige begleiten die Zeremonie mit Gebeten und Ritualen. Die Asche und eventuelle Überreste werden anschließend in einem heiligen Gewässer – idealerweise im Ganges – verstreut. Viele Hindus reisen extra in heilige Städte wie Varanasi, um dort bestattet zu werden und so den Kreislauf der Wiedergeburten zu durchbrechen. Trauer wird in Indien zwar ernst genommen, gleichzeitig ist der Gedanke der Wiedergeburt für viele Menschen tröstlich.

Was Trauerkulturen verbindet

So verschieden die Traditionen und Rituale für Trauer in anderen Kulturen weltweit auch sind – letztlich verfolgen sie oft ähnliche Ziele: Denn Rituale und feste Abläufe sorgen für Halt in diesen schwierigen Zeiten, geben Raum für Erinnerungen und stärken zudem oftmals das Miteinander. Ob stille Zeremonie, farbenfrohes Fest oder gemeinsames Essen: Hinter all diesen Bräuchen steht der Wunsch, einem Menschen einen würdevollen, angemessenen Abschied zu bereiten und Trauer sowie Erinnerungen zu ermöglichen. Jede Kultur hat ihre eigenen Wege entwickelt, mit Verlust umzugehen und Trost zu finden. Diese Vielfalt kann inspirieren und den Blick weiten dafür, wie individuell Abschied gestaltet werden kann.

Den einen „richtigen Weg“ gibt es nicht: Die Art, wie Menschen Abschied nehmen, ist überall auf der Welt sehr verschieden. Manche Kulturen begegnen dem Tod still und zurückhaltend, andere laut, bunt und gemeinschaftlich. Der Blick auf Trauer in anderen Kulturen hilft vielleicht auch dabei, den eigenen Umgang mit Trauer bewusster wahrzunehmen – und zu verstehen, dass Abschied viele Gesichter haben kann.

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